20.01.2026

in Finanzcoaching, Partner, Ratgeber, Riskprofiling, Vermögensberatung

Walter Wildhagen

Diplom Ökonom Walter Wildhagen ist unabhängiger Finanzexperte (CFP®) mit über 25 Jahren Erfahrung. Regelmäßig erkundet er für Sie die Grenzen und Möglichkeiten der Finanzwelt in praxisnahen Beiträgen und auf seinem LinkedIn Profil.

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Depot oder Fondspolice?

Warum fondsgebundene Policen für vermögende Anleger oft die klügere Wahl sind

Viele vermögende Anleger neigen dazu, Kapitalanlagen zuerst in klassischen Wertpapierdepots zu denken. Das ist verständlich: Depots sind weithin bekannt, transparent und leicht zugänglich. Doch gerade bei größeren Vermögen und in komplexeren Planungsfragen – etwa bei steuerlicher Optimierung, Nachfolgegestaltung oder Vermögensschutz – bietet der „Versicherungsmantel“ fondsgebundener Policen oft entscheidende Vorteile. Diese liegen nicht in einem reinen Produktvorteil, sondern in einer ganzheitlichen steuer-, erbschafts- und vermögensplanerischen Perspektive, die ein Depot allein nicht leisten kann. (netzwerk freier finanzberater)

Was ist eine Fondspolice überhaupt?

Eine Fondspolice ist im Kern eine fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherung, bei der statt einer Direktanlage über ein Depot das Kapital innerhalb einer Versicherung investiert wird. Die Beiträge fließen in Fonds oder ETF-Strategien, ähnlich wie bei einem klassischen Depot, doch die rechtliche Verpackung unterscheidet sich: Anleger erwerben keine direkten Fondsanteile, sondern Versicherungsansprüche, die an die Performance der zugrunde liegenden Fonds gekoppelt sind. (Wikipedia)

Im internationalen Kontext spricht man von solchen Produkten häufig als unit-linked life assurance oder ähnlichen Konstruktionen im Bereich der Versicherung-Investment-Produkte. (SFF)

Warum Fondspolicen gerade für vermögende Anleger interessant sind

1. Steuerstundung und staatlich geförderte Besteuerung

Einer der zentralen Vorteile fondsgebundener Policen ist die steuerliche Förderung in der Ansparphase:

  • Innerhalb der Police fallen während der Laufzeit keine laufenden Steuern auf Kursgewinne, Ausschüttungen oder Fondswechsel an wie bei einem Depot (Abgeltungsteuer auf Erträge oder Vorabpauschale). (geldundverbraucher.de)
  • Die Besteuerung wird auf die Auszahlungsphase verschoben, wodurch der Zinseszinseffekt ungestört wirken kann. (netzwerk freier finanzberater)
  • In vielen Fällen – insbesondere bei längerer Laufzeit – kann die Besteuerung der Erträge deutlich niedriger ausfallen als bei einem klassischen Depot oder gar ganz entfallen (z. B. bei Erfüllung bestimmter Bedingungen im Rahmen der Altersvorsorge). (maklerblog.signal-iduna.de)

Merksatz: Auf lange Sicht zählt nicht nur die Rendite, sondern auch wann und wie intensiv sie besteuert wird.

2. Flexibilität in der Nachfolgeplanung

Ein bedeutender Vorteil – vor allem für vermögende Familien – liegt in der Gestaltung der Vermögensnachfolge. Fondspolicen erlauben eine gezielte Bestimmung von Bezugsberechtigten und Begünstigtenmodellen (etwa 99/1-Modelle), bei denen ein Großteil des Kapitals übertragen wird, während ein kleiner Rest beim ursprünglichen Versicherungsnehmer verbleibt, um Kontrolle und Eingriffsmöglichkeiten zu wahren. (netzwerk freier finanzberater)

Im internationalen Umfeld wird betont, dass solche Versicherungsmodelle gerade für Erbschafts- und Nachlassplanung attraktiv sind, da sie eine schnelle, private und liquide Übertragung des Vermögens ermöglichen – ohne den langwierigen Erbschafts- und Nachlassprozess öffentlicher Testamente. (SFF)

3. Steuerfreie Todesfallleistung

Ein klassischer Vermögensbaustein bei Lebensversicherungen ist die Todesfallleistung: Die Auszahlung an die Begünstigten ist in vielen Rechtsordnungen steuerfrei, was einen klaren Vorteil gegenüber der Übertragung eines Depots hat, bei dem sowohl Ertrags- als auch Erbschaftsteuern anfallen können. (blog.massmutual.com)

Dies bedeutet: Vermögenswerte, die im Rahmen einer Fondspolice gehalten werden, können direkt und ohne zusätzliche steuerliche Belastung an die nächsten Generationen übertragen werden – ein Faktor, der vor allem bei großem Vermögen ins Gewicht fällt.

4. Vermögensschutz und Insolvenzschutz

Ein Fondspolicen-Vertrag kann unter bestimmten rechtlichen Rahmenbedingungen vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt werden, wenn beispielsweise unwiderrufliche Bezugsrechte benannt sind. Dadurch kann ein Teil des Vermögens aus der privaten Haftungsmasse herausgehalten werden, was in Szenarien persönlicher Haftungsrisiken oder Unternehmensinsolvenzen relevant ist. (netzwerk freier finanzberater)

Das bedeutet nicht, dass Policen völlig immun gegen rechtliche Risiken sind – wohl aber, dass sie unter bestimmten Umständen robustere Schutzmechanismen bieten als ein Depot, das unmittelbar Teil der Privatvermögensmasse ist.

5. Gezielte Auszahlungskontrolle (TermFix & Co.)

Ein Vorteil, den klassische Depots nicht bieten, ist die Möglichkeit, Auszahlungen zeitlich zu fixieren – etwa zu Geburtstagen, Studienbeginn oder anderen wichtigen Lebensereignissen. Solche TermFix-Klauseln können vertraglich vereinbart werden und geben den Gestaltern der Vermögensübertragung eine zusätzliche Planbarkeit. (netzwerk freier finanzberater)

Das ist besonders dann relevant, wenn es darum geht, jüngeren Generationen Kapital zu einem Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen, an dem sie finanziell und emotional besser damit umgehen können.

Depot vs. Fondspolice: Abwägung und Kombination statt Schwarz-Weiß

Natürlich haben beide Anlageformen ihre Berechtigung – und sie sind keine echten Gegensätze, sondern Bausteine in einer ganzheitlichen Strategie:

  • Ein klassisches Depot bietet maximale Flexibilität, direkten Zugriff auf einzelne Wertpapiere und oft geringere laufende Kosten. (FTC-Stuttgart)
  • Eine Fondspolice kann steuerlich in der Ansparphase und bei der Nachfolgeplanung deutliche Vorteile bieten – doch sie kommt mit Verwaltungskosten, Vertragsbedingungen und einer rechtlichen Struktur, die verstanden sein will. (FTC-Stuttgart)

Wichtig ist: Es geht nicht um „besser oder schlechter“, sondern um Zielsetzung, Zeithorizont und Kontext. Für reine, kurzfristige Trading-Strategien ist ein Depot klar überlegen. Für langfristige Planung über Generationen hinweg – gerade bei größeren Vermögen – gehören Fondspolicen zum Werkzeugkasten eines jeden ernsthaften Vermögensplaners. (fondsfueralle.de)

Worauf Anleger achten sollten

  • Kostenstruktur: Abschluss- und Verwaltungskosten einer Fondspolice können höher sein als bei einem Depot. Diese müssen in Relation zu den steuerlichen Vorteilen gesehen werden. (Wikipedia)
  • Produktgestaltung: Deutsche oder ausländische Policen (z. B. in Liechtenstein oder Luxemburg) unterscheiden sich in Gestaltungsspielräumen, Flexibilität und Rechtsrahmen. (netzwerk freier finanzberater)
  • Individuelle Situation: Die Wahl der richtigen Struktur hängt vom persönlichen Status, Risikoprofil, familiären Umfeld und steuerlicher Jurisdiktion ab. Eine allgemeine Empfehlung lässt sich nicht ohne Analyse geben. (SFF)

Quellen

  1. Fondspolicen: Die clevere Kombination aus Geldanlage, Steuervorteil und Vermögensnachfolge – Netzwerk freier Finanzberater (Juli 2025)
  2. Fondspolice vs. Depot – Vergleich, Berechnungen & Empfehlung – FTC Stuttgart (Januar 2026)
  3. Unit-Linked Life Assurance as an Estate-Planning Tool – SFF Magazine (Juni 2025)
  4. Steuerliche Vorteile und mechanische Betrachtung fondsgebundener Produkte – Geld und Verbraucher e.V. (2026)
  5. Steuerliche Förderung und Umschichtungsmöglichkeiten bei Fondspolicen – SIGNAL IDUNA Maklerblog (Januar 2026)
  6. Versicherungsmantel – Definition und steuerliche Aspekte – Wikipedia (2025)
  7. Life Insurance Tax Advantages – MassMutual Insights (2024)

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Finanz- oder Steuerberatung.

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